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Müll statt Spenden vor der Tafel

ZWei DRK Mitarbeiterinnen stehen vor einem großen Haufen Abfall

Die Mitarbeiter des DRK in Wanzleben sind stinksauer. Immer wieder werden ungebetene Spenden vor dem Gebäude des Sozialen Zentrums abgestellt.

Doch dieses Mal haben die DRK-Mitarbeiter eine ganz besondere Überraschung erlebt: Bei den „Spenden" handelt es sich schlichtweg um bloßen Müll. 

„Ich habe wirklich am Anfang gedacht, da will uns jemand gehörig auf die Schippe nehmen“, berichtet die Leiterin des Sozialen Zentrums ,,Alter Bahnhof" im DRK-Kreisverband Wanzleben, Barbara Schürmann. „Ich habe die Sachen gesichtet und war fassungslos.“ An eine Renovierung in den Räumlichkeiten konnte sich die Leiterin nicht erinnern, schließlich seien doch tatsächlich auch gebrauchte Maleruntensilien abgestellt worden. 

Nach einem Gespräch im Team war klar: Da hatte nicht etwa jemand Hand an die Innenausstattung gelegt. Nein, die Sachen wurden über Nacht einfach vor die Tür gestellt Damit nicht genug. Die Komposition, die sich in den Säcken fand, entpuppte sich quasi als Haushaltsmüll. 

„Und da ist die Wut in mir aufgestiegen“, gibt Barbara Schürmann zu. „Da hat doch wirklich jemand Müll vor das Soziale Zentrum gestellt“. Der Vorgang an sich ist für die Mitarbeiter unbegreiflich. Genau 22 von ihnen engagieren sich beim DRK-Kreisverband ehrenamtlich. „Sie wollen anderen Menschen helfen, die in Not sind“, sagt die Leiterin. „Und dann bekommen sie so ein Statement für ihren Einsatz.“

Der Müll wird nun entsorgt und verursacht zusätzliche Kosten für das Soziale Zentrum. Die Einrichtung ist ohnehin in vielen Bereichen auf Spenden angewiesen. Die Betriebskosten steigen seit Jahren. Im Haus befinden sich die Tafel und der Kleiderladen. Zusätzlich gibt es Angebote für bedürftige Menschen. „Klar, da kann man schon einmal seinen Müll vor unsere Haustür stellen'; schimpft Barbara Schürmann. Damit habe der Verursacher praktisch allen sozial benachteiligten Menschen in der Region eine. symbolische Ohrfeige verpasst. 

Das will die Leiterin nicht auf sich und ihren engagierten Mitarbeitern sitzen lassen. „Jetzt ist Schluss damit“, sagt sie. Zuletzt habe es schon Gespräche darüber gegeben, das Gelände eventuell überwachen zu lassen. „Das ist ein Thema, mit dem wir uns jetzt ernsthaft beschäftigen“, betont sie. Auch.die entsprechenden Behörden seien von dem Vorfall informiert worden. Bei den Kunden hat der Extremfall inzwischen schon die,Runde gemacht. Für die Aktion hat niemand Verständnis. Im Laufe der Woche versorgen sich mehrere hundert bedürftige Menschen über die Tafel und den Kleiderladen. Die Zahl der älteren Menschen ist über die Jahre gestiegen. 

„Es braucht sich niemand zu schämen, wenn die Rente nicht mehr reicht“, sagt die Leiterin „Betroffene können zu uns kommen und wir kümmern uns dann um sie.“ Die DRK-Mitarbeiter hätten noch nie einen Hilfesuchenden wieder weggeschickt. „Es braucht oft nur den Mut, den Schritt zu gehen“, sagt Barbara Schürmann. 

Letztendlich gebe es auch Angebote, bei denen die Besucher sich mit Gleichgesinnten treffen und unterhalten können. Aktuell läuft auch die Umstellung auf die „Digitalisierung" - und diese wird von der Tafel Deutschland unter dem gleichnamigen Begriff gefördert. Darunter ist hauptsächlich die Erfassung der Kunden und die geplante Ausgabe von entsprechenden Tafelausweisen zu sehen. „Ab jetzt haben wir dann einen tagesgenauen Überblick über die Zahl der Kunden“, sagt Barbara Schürmann.

Volksstimme, 02.10.2026 (Christian Besecke)