Die Wanzleber haben Deutschland einiges voraus: Sie haben im vergangenen Jahr mehr Blut gespendet als andere. Dennoch gibt es auch hier Grund zur Sorge. Denn nur 4 Prozent der Spender waren 2025 neu dabei. „Eine stabile Blutversorgung darf nicht dauerhaft auf den Schultern einer kleiner werdenden Gruppe besonders engagierter Spenderinnen und Spender ruhen“, betont dazu Sabine Tacke als Blutspendebeauftragte des DRK Wanzleben.
Einer dieser besonders engagierten Spender ist Mathias Voigt aus Wanzleben. Es sind Stammspender wie der 68-Jährige, die dafür sorgen, dass andere in Notsituationen oder bei geplanten Operationen Blutkonserven zur Verfügung haben. Im Wanzleber Kreisverbandsgebiet lag die Zahl der Spenden 2025 bei 1769. Im Vergleich zu 2024 hat sich die Bereitschaft damit von insgesamt 1545 Spendern um knapp 15 Prozent gesteigert. Im Bundesdurchschnitt dagegen sind die Spenden nur um ein Prozent gestiegen.
„Zwar konnten in den vergangenen Jahren saisonale Engpässe teilweise reduziert werden, doch was kurzfristig Stabilität schafft, macht das System langfristig anfälliger“, erklärt Sabine Tacke. Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bleibe es entscheidend, neue und insbesondere jüngere Menschen dauerhaft für die Blutspende zu gewinnen.
Bundesweit liegt das Durchschnittsalter der Spender bei 46,7 Jahren, teilt der Blutspendedienst NSTOB für Sachsen-Anhalt und weiterer nördliche Bundesländer mit. Die Herausforderungen für die Blutversorgung würden durch den demografischen Wandel zusätzlich verschärft.
Die deutsche Bevölkerung altere zunehmend, gleichzeitig würden die nachfolgenden Generationen kleiner. „Damit wächst die Zahl älterer Menschen, die medizinisch versorgt werden müssen, während gleichzeitig weniger junge Menschen nachkommen, die potenziell Blut spenden können“, erklärt die Blutspendebeauftragte.
Auch hier ging Mathias Voigt vorbildhaft voran. Mit 18 Jahren hat er mit dem Spenden angefangen. „Mein Opa hat mich einfach mitgenommen und dann bin ich dabeigeblieben“, sagt der Wanzleber. Sechs Mal im Jahr geht er zum Blutspenden - und damit die für Männer maximal erlaubte Anzahl. Frauen dagegen dürfen maximal viermal ihr Blut zur Verfügung stellen. Trotzdem beobachtet auch er, dass Erstspender fehlen. „Es ist tatsächlich so, dass man dort immer nur dieselben Menschen trifft. Junge oder neue Spender sehe ich nur sehr selten.“
Im Sommer verschärft sich die Situation weiter. „Hohe Temperaturen, anstehender Ferienbeginn und Reisezeit sorgen dafür, dass weniger Menschen Blut spenden gehen“, sagt Sabine Tacke. Mit Sorge blickt das DRK auf die kommenden Wochen. „Die Blutbestände sind bereits angeschlagen und wir versorgen die Kliniken nur noch aus Reserven“, berichtet Markus Baulke, Pressesprecher beim DRK-Blutspendedienst NSTOB. Die Reisezeit verschärfe die Lage drastisch. Auch Sabine Tacke und Mathias hoffen, mehr und vor allem junge Spender dauerhaft zu gewinnen. So wie Hunderte andere Spender aus Wanzleben und Umgebung. Kürzlich wurden 110 Blutspender im Rahmen eines Treffens im Eilsleber Gasthof für ihre Bereitschaft ausgezeichnet.
Ab der 25. Spende werden die Helfer regelmäßig zu solchen Veranstaltungen mit musikalischer Begleitung und Buffet eingeladen. „Ihr Engagement ist Ausdruck gelebter Solidarität, auf die sich tagtäglich tausende schwerkranke und verletzte Menschen jeden Alters verlassen müssen“, sagt Sabine Tacke.
Bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten kann mit einer einzigen Blutspende geholfen werden. Etwa 500 Menschen könnten theoretisch damit Hilfe von Mathias Voigt bekommen haben. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. „Es gibt keine Altersbeschränkung“, sagt der Wanzleber, „also mache ich das so lange, wie es die Gesundheit zulässt."
Volksstimme, 10.07.2026 (Kristina Reiher)
