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Tausche Uniform gegen Kittel

Zwei Männer und eine Frau stehen unter einer Pergola

Die Pflege gewinnt neue Nachwuchskräfte. Eine Ex-Soldatin, ein erfahrener Pflegehelfer und weitere Azubis starten beim DRK Wanzleben.

15 Jahre lang hat Franziska Kochno aus Remkersleben in der Bundeswehr gedient. Ein Einsatz blieb ihr aus dieser Zeit ganz besonders in Erinnerung. Gemeinsam mit Soldaten aus ganz Deutschland half sie während der Corona-Pandemie ehrenamtlich in einem Pflegeheim aus. Eine Erfahrung, die ihr Leben verändern sollte.

„Das war meine erste Berührung mit der Pflege, wo ich festgestellt habe, dass das viel, viel mehr ist als einfach nur Betreuung“, erinnert sich die heutige 42-Jährige. Im Februar endete schließlich ihre Dienstzeit bei der Bundeswehr und sie erinnerte sich an die Erfahrung aus der Coronazeit. Kurz entschlossen wendete sie sich an das DRK in Wanzleben und bewarb sich für ein Praktikum im Pflegedienst: „Und das hat mich überzeugt. Ich habe genau gewusst: Das will ich machen“.

Von Soldatin zur Pflegekraft

Ein denkbar großer Sprung ist es, von Stiefeln und Uniform zu Kittel und Desinfektionsmittel, von der gestandenen Soldatin zurück auf die Schulbank. All das mit Mitschülern, die teils 20 Jahre jünger sind als sie. Angst macht das Franziska Kochno allerdings keine, voller Motivation und Vorfreude blickt sie auf die neue Herausforderung: „Ich bin motiviert, ich habe Lust, einfach mal was Neues“, sagt sie. Und: „Gerade auch mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten, kann ja nur positiv sein. Im Endeffekt wollen wir ja alle dasselbe: dass sich die Betreuten wohlfühlen.“

Vor allem sei sie gespannt auf die Arbeit im Krankenhaus. Im Jahr 2020 wurden die Ausbildungen im Bereich Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zusammengelegt. Wer nun die neue generalistische Krankenpflegeausbildung abschließt, kann im Anschluss in allen Bereichen arbeiten – und das europaweit.

Entsprechend umfangreich ist die Ausbildung. Sie umfasst praktische Einsätze im Krankenhaus, im Pflegeheim, in der ambulanten Pflege sowie in der Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin) und Psychiatrie. So werden auch Franziskas Kochno und die anderen Auszubildenen zwischen mehreren Stationen rotieren. 

Einige davon hat Jaden Beckert aus Groß Rodensleben schon kennengelernt. Er wird im September gemeinsam mit Franziska Kochno und vier weiteren seine Ausbildung bei DRK beginnen. Erfahrung hat er schon reichlich: Bereits seit einigen Jahren arbeitet er als Hilfskraft in der Pflege – aktuell auch im Pflegeheim „Rusches Hof“ in Osterweddingen. 

Da sich der 20-Jährige beruflich weiterentwickeln möchte, beginnt er im September zunächst die einjährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Pflegehelfer.

Beruf hat auch Schattenseiten

Danach überlegt er, die Ausbildung zur Pflegefachkraft gleich anzuschließen. Inspiriert hat ihn seine Mutter, die ebenfalls in der Pflege tätig ist. Aus ihren Erzählungen weiß er auch von den Schattenseiten des Berufs. Doch sie habe ihm stets vermittelt, stark zu sein und dranzubleiben, erzählt er. 

Jetzt freut er sich aber erst einmal auf seine neuen Mitschüler und hofft, dass die Zusammenarbeit gut funktionieren wird. Mit seiner Vorerfahrung geht er entspannt in die neue Ausbildung. Bettpfannen leeren oder für die Körperhygiene andere Menschen sorgen – all das bereitet Jaden Beckert keine Probleme. Das Schwierigste für ihn an der Arbeit in der Pflege? „Die Frühschichten“, sagt er und lacht. 

Dabei sei der Beruf in den letzten Jahren durchaus schwerer geworden, erzählt Ausbildungsleiter Heiko Kricheldorf. Er ist seit 35 Jahren dabei und hat viele Veränderungen beobachtet. Vor allem hätten sich die Krankheitsbilder, mit denen die jungen Pflegekräfte konfrontiert werden, verändert. Während früher viele Bewohner des Pflegeheims noch recht selbstständig waren, seien heute viele mehrfach schwer krank.

„Das ist einfach schlichtweg auch eine Geldfrage“, sagt Heiko Kricheldorf: „Die Leute bleiben so lange wie möglich zuhause und gehen dann wirklich erst ins Heim, wenn die Versorgung zuhause gar nicht mehr zu bewerkstelligen ist“. Gerade die jüngeren Azubis, mit 17 oder 18 Jahren, seien damit oft überfordert, beobachtet er. Deshalb freue er sich immer über ältere Quereinsteiger, die schon fest im Leben stehen. Und die werden offenbar immer mehr, berichtet Heiko Kricheldorf weiter: „Gerade in der Pflege, da sind wirklich viele Quereinsteiger und auch viele, die dann die zweite Ausbildung machen. Also das geht teilweise wirklich bis Anfang 50“. Egal wie alt, für den Ausbildungsleiter zählt vor allem der Charakter. „Irgendwelches medizinisches Fachwissen braucht man nicht“, sagt er. Wichtiger seien „Empathie, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, sich auf Menschen einzulassen“. 

So unterschiedlich die Wege auch sind, die Jaden Beckert, Franziska Kochno und ihre vier künftigen Mitstreiter zum DRK Wanzleben geführt haben, so überraschend ähnlich sind ihre Beweggründe. „Etwas zurückgeben“ ist eine Formulierung die häufiger fällt. Franziska Kochno formuliert es so: „Die Generation, die jetzt gerade betreut wird, hat ja viel erlebt, viel durchgemacht und ich möchte einfach meinen Beitrag dazu leisten und ein Stück zurückgeben“.

Volksstimme, 31.07.2026 (Anna Schwarze)